Dekonom?

Ein seltsames Rätsel gab uns ein Grabstein-Säule mit vier beschrifteten Seiten im Kemptener Wald auf, den wir im Mai bewanderten. Dort stand in altertümlichen Lettern auf einer Seite ein Wort, das aussah wie „Dekonomensgattin“, und auf einer anderen Seite „Dekonomsgattin“. Da weder meine Frau noch ich das Wort bisher gehört hatten, machten wir uns zu Hause sogleich daran, den Begriff im Internet zu suchen. Und tatsächlich gab es einige Treffer in den einschlägigen Suchmaschinen. Allerdings waren die Treffer immer Links auf alte Bücher, Listen von verstorbenen Leuten etc. Es gab nirgendwo eine Erklärung, was ein Dekonom sein könnte. Schließlich kam die Erleuchtung: Als wir die Fotos und einige der Links noch einmal genau untersuchten, stellten wir fest, dass das vermeintliche große D in Wirklichkeit ein großes O war. Die stark geschmückten Großbuchstaben der alten Schrift hatten hier sowohl uns als auch einige Schrifterkennungs-Algorithmen getäuscht.

Aber vergleicht oekonom-nicht-dekonomselbst: Hättet ihr das auf Anhieb (ohne Referenzbuchstaben) erkannt? In einem der eingescannten Bücher, die wir über eine Suchmaschine gefunden hatten, fanden wir dann tatsächlich auch Worte, bei denen wir eindeutig das große D und das große O unterscheiden konnten.

Also wurde aus unserem neuen Wort Dekonom der Oekonom bzw. Ökonom – und den gibt es ja heute noch…

Was lernen wir daraus? Nur weil man im Internet bei der Suche ein paar Treffer landet, kann es sich durchaus um fehlerhafte Informationen handeln.

Und was lernen wir noch? Typografie sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Als Designer sollte man immer beachten, dass eine falsch verwendete Schriftart den Text schnell unleserlich macht – nicht nur für Menschen.

Danke, Jack Vance

Es muss schon eine ganze Weile her sein, da begab es sich, dass mir von einem jungen Mann, dessen zahlreiche Namen ich hier nicht wiederzugeben vermag (na gut, einer ist Taumel), ein Buch in die Hände gedrückt wurde. Auf dem schwarzen Einband hob sich in weißen Lettern ein Wort ab, mit welchem ich nichts anzufangen wusste: Alastor. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht eröffnete mir mein Freund, dass es sich um einen ‚echten Vance‘ handle. Und tatsächlich, in hellblauer Schrift, nicht ganz so groß wie der weiße Schriftzug, stand auf dem Buch der Name Jack Vance geschrieben. Nun war dieses Buch nicht gerade eines der dünnsten und ich war auch nicht gerade ein sehr lesewütiger Mensch, doch auf Anraten eben dieses guten Freundes begann ich, zu lesen. Das Buch bestand eigentlich aus drei separaten Novellen, welche im gleichen Universum spielten, jedoch von der eigentlichen Geschichte her nichts miteinander zu tun hatten.

Die faszinierenden exotischen Welten fesselten mein Interesse, und schon bald war ich beim letzten Buch angelangt:
Wyst: Alastor 1716.
Mit dem Charakter in diesem Buch konnte ich mich beim Lesen besonders gut identifizieren, denn sein Wunsch, Maler zu sein, und seine Liebe zur Malerei und zur Zeichenkunst sind auch mir nicht fremd. So las ich mit mehr Enthusiasmus denn je die Abenteuer von Jantiff Ravensroke von Frayness auf dem Planeten Zeck, der auf dem Planeten Wyst die Farben unter dem Licht des weißen Sterns Dwan studieren wollte und feststellen musste, dass der nach außen hin als Utopia gesehene Planet in Wirklichkeit gar kein so egalitäres System aufweist. Gestohlen wird, wo man gerade etwas ‚braucht‘, und schließlich gerät Jantiff auch noch in eine merkwürdige Geschichte…
Mehr über die Geschichte möchte ich hier nicht verraten, jedoch war dieses Buch der Einstieg in die phantastischen Welten von Jack Vance. In den darauffolgenden Jahren verschlang ich jedes Buch, das ich von diesem fabelhaften Autor erhaschen konnte. Danke, Jack Vance! Danke, für die vielen Stunden, die ich in Deinen Welten versinken durfte.

Weitere Informationen über Jack Vance, der im Mai 2013 leider gestorben ist, findet Ihr (allerdings in englischer Sprache) auf der offiziellen Jack Vance Website. Mögen seine Bücher und Geschichten noch viele begeisterte Leser auf dieser und anderen Welten finden.

PS: Ein ganz besonderer Lesetipp sind auch die Abenteuer von Cugel dem Schlauen.

fei (schwäbisch)

Die schwäbische Sprache hält immer wieder Überraschungen bereit. Kürzlich sind meine Frau und ich mal wieder über den Begriff „fei“ gestoßen. Fei wird in vielen Sätzen gern mit eingeschoben, um diesen Nachdruck zu verleihen. „Des isch fei was wert. Do ka’sch fei was drauf geaba.“ oder ähnliches. Im Allgäu gab es den Begriff auch, aber ich habe ihn als Kind damals falsch verstanden und stattdessen immer „frei“ gesagt. Ich dachte damals, das käme von „freilich“.
Nun wollte ich es doch einmal genauer wissen. Dank des unendlichen Reichtums an Wissen im Internet sind wir auch gleich fündig geworden. Der Begriff entstammt dem deutschen Wort „feien“, welches laut Duden online von „veien“ = „nach Art der Feen durch Zauber schützen“ aus dem mittelhochdeutschen kommt.
Wenn wir nun also unsere Sätze mit dem Zusatz „fei“ stärken, dann sind unsere Aussagen vor allem Unbill gefeit (geschützt). Da macht es fei noch viel mehr Spaß, diesem Brauch nachzugehen…

PS: Auch in anderen Dialekten wird dieser Begriff verwendet: Sandy hat mir das z.B. für’s Erzgebirge bestätigt. 😀

Fliegen

Ambigramme, Anagramme, Palindrome und Pangramme

Ambigramm

Vor einigen Jahren begann einer meiner Stiefsöhne aus irgendwelchen Gründen Ambigramme zu zeichnen. Das faszinierte mich auch, aber ich hatte damals keine Zeit dafür und vergaß Ambigramme, bis ich eines für eine Illustration erstellen sollte. Solange man sich nichts aus der Lesbarkeit macht, kann man aus jedem Wort ein Ambigramm erstellen. In meinem Fall war es der Name einer Burg in Deutschland namens Rieneck. Hier ist das Ambigramm:

rieneck

Anagramme

Von Anagrammen war ich schon immer fasziniert: die Reihenfolge von Buchstaben eines Wortes zu ändern und dadurch andere Bedeutungen zu erhalten (In meiner Kindheit liebte ich es, mit Russischbrot zu spielen bevor ich die Kekse aufaß – ähm, sagte ich, in meiner Kindheit … eigentlich mache ich das immer noch gern…). Heute gibt es verschiedene Wortgeneratoren für den Online- wie den Offline-Gebrauch, die Anagramme generieren können, z.B. an, wo sogar verschiedene Sprachen gewählt werden können. Beim Untersuchen des eigenen Namens (oder denen von Freunden und Kollegen) kommen teilweise echt lustige Dinge heraus.

Palindrome

Ich fragte mich immer, worüber „They might be Giants“ in ihrem Lied „I Palindrome I“ eigentlich singen, aber irgendwie habe ich es nie nachgeschlagen, bis ich durch die Recherchen über Ambigramme zufällig darüber gestoßen bin. Palindrome sind Worte oder Sätze, die vorwärts und rückwärts gelesen werden können und immer noch die gleiche Bedeutung haben. Nun gut, ich wusste zwar, dass es solche Worte und Sätze gibt, aber ich wusste nicht, dass es dafür ein Wort gibt. Nachdem ich es nun weiß, ist der Song von TMBG noch cooler. Sie verwenden Palindrom-Phrasen und wortsymmetrische Sätze im Text.

Neben Palindromen gibt es auch Semi-Palindrome, die man zwar vorwärts und rückwärts lesen kann, die dann aber verschiedene Bedeutungen haben. Diese kann man dann wiederum in Palindrom-Sätzen verwenden, z.B. „Ivan – Navi“ 🙂

Pangramme

Als ich über Palindrome recherchierte, las ich auch über Pangramme. Ich wusste auch nicht, dass es dafür ein Wort gibt: einen Satz mit allen Buchstaben des Alphabets. Vermutlich kennt jeder den Satz „The quick brown fox jumps over the lazy dog“. Dieses englische Pangramm kennt man heute meist aus der Windows Font Vorschau. Ursprünglich stammt der Satz von 1885: „A quick brown fox jumps over the lazy dog“ war in einem Artikel des Lehrerjournals „The Michigan School Moderator“ für Schreibübungen vorgeschlagen worden. Im Deutschen ist das bekannteste Pangramm vermutlich „Franz jagt im komplett verwahrlosten Taxi quer durch Bayern“, obwohl es keine Umlaute enthält. Mein bevorzugtes Pangramm mit Umlauten ist „Welch fieser Katzentyp quält da süße Vögel bloß zum Jux?“

 

Liebe Kinder gebt fein acht, ich hab euch etwas mitgebracht …

Narwin, der Sandmann, begab sich vorsichtig durch das gekippte Fenster in das Schlafzimmer, um kein auffälliges Geräusch zu machen. Denn auch wenn er für die meisten Menschen unsichtbar war, so war es dennoch gefährlich, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Schließlich konnte ein Mensch ihn – auch unbeabsichtigt – durch einen kleinen Stoß toeten. Ein kleiner Sandmann wie er lebte durchaus nicht ungefährlich. Doch es war schließlich sein Job, die Menschen zum Einschlafen zu bringen. Wenn ihm nur mehr Zeit zur Verfügung gestanden hätte. ‚Die Menschen vermehren sich viel zu schnell‘ dachte Narwin bei sich, ’schließlich sind wir Sandmänner keine Zauberer und vermehren können wir uns erst recht nicht!‘

In letzter Zeit war es immer häufiger vorgekommen, daß Narwin seine Arbeit schlampig oder gar nicht getan hatte. Doch das störte bei der Sandmann-Organisation niemanden. Tatsächlich waren alle Sandmänner bis aufs Letzte ausgelastet.

Langsam schlich sich Narwin näher an das Bett in der dunkelsten Ecke des Zimmers heran. Ein leises Geräusch war zu vernehmen, als sich etwas in dem Bett auf die andere Seite wälzte.

Immer noch auf die Menschen wütend und mit seiner Arbeit nicht mehr sehr zufrieden, hüpfte das koboldhafte Wesen durch die Kleidungsstücke, die auf dem Boden verstreut waren und stolperte, als seine kleinen Füßchen sich in einem Knopfloch eines weißen Hemdes verfingen.

Im Fall glitt dem kleinen Sandmann sein Säckchen aus den Händen und öffnete sich. Lautlos in sich hineinfluchend sah er sich die Misere an. Mindestens ein Drittel des Inhaltes aus dem Säckchen hatte sich auf dem Boden verstreut, Sand, der mindestens noch für fünfzig Menschen gereicht hätte.

Im Bett regte sich etwas.

Narwin befreite sich gerade aus dem Knopfloch, als ein riesiger Fuß ihn nur knapp verfehlte. Der Sandmann fiel auf den Rücken. Eine Hand griff nach dem Hemd, an dem Narwin noch immer hing. Das Säckchen, das noch mehr als zur Hälfte mit Sand gefüllt war, fiel zu Boden. Den soeben aufgestandenen Menschen umhüllte eine Wolke aus feinem Sand und schon lag die Gestalt wieder – diesmal am Boden.

Glücklicherweise war sie nicht auf Narwin gefallen und so konnte sich der kleine Wicht nun endlich aus dem Hemd befreien.

„Ha! Das hast du nun davon, Blödhammel!“ fluchte Narwin und stampfte auf den Boden. Nun hatte er wenigstens Zeit, noch etwas von dem Sand zu retten. Er nahm sein Säckchen und begann mit einer mühsamen Arbeit. Einige Menschen würden heute wohl etwas später einschlafen.
„Naja, was soll’s, kümmert sich ja keiner drum!“ murmelte Narwin bei diesen Gedanken.

Nach getaner Aufräumarbeit begab sich Narwin aus dem Fenster, zurück zu seiner ursprünglichen Arbeit. Ab sofort würde er jedes Hindernis umgehen, um nicht wieder zu stolpern.

Auf seinem Weg zu seinem nächsten ‚Klienten‘ begegnete ihm Triffel, ein weiterer Sandmann, mindestens so wütend dreinschauend wie Narwin selbst.

Narwin grüßte Triffel, dieser erwiderte den Gruß mürrisch.

„Ich geb’s auf, ich leg meinen Job ab, diese barbarischen, plumpen Menschen sind es nicht wert …“ schimpfte Triffel seinen Zorn aus dem Bauch. Narwin nickte stumm.

„Was bilden die sich eigentlich ein? So selbstverständlich ist das nicht, daß wir ihnen helfen, einzuschlafen! Sollen sie doch sehen, wie sie in ihrem Streß überhaupt noch zum Schlafen kommen! Sollen sie doch alle im Bett verschimmeln! Ich mach mir ein schönes Leben in den Wäldern, solange es sie noch gibt! Und dann zieh ich um auf einen anderen Planeten! Das ist ja nicht auszuhalten …“

Als Triffel die Puste ausging, nutzte Narwin die Gelegenheit und verabschiedete sich, um sich wieder an die Arbeit zu machen.

Doch die Worte von Triffel gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf. Zwei Nächte später hatte auch er die Nase voll und verschwand im Wald.

Ihm folgten weitere Sandmänner und wer weiß, vielleicht sind inzwischen alle im Wald verschwunden und machen sich ein gemütlicheres Leben.

Auf Wiedersehn und schlaft recht schön!

 

Die Geschichte vom Wabbel

Langsam glitt Glibber an der Wand hinab. „Jetzt ist es soweit…“ dachte er. Stein für Stein, Zentimeter für Zentimeter tastete er sich voran, um langsam seinem Ziel naeherzukommen. Jede Ritze wurde ausgenutzt, jeder Spalt berührt.
Sabber seufzte. „NEIN! Nicht schon wieder!“

– Ploff –

Am Boden lag Sabber, in seine Einzelteile zersplotzt. Glibber glitt weiter hinab.
Wabbel sah sich noch einmal um nach seinem ehemaligen Zuhause. Eigentlich hatte er es doch immer gut gehabt. Warum hatte er sein trautes Heim verlassen und sich auf eine solch waghalsige Tour ein- gelassen? Nun war es zu spät. Es gab kein zurück mehr … Unter ihm lag Sabber und er war nicht mehr wiederzuerkennen. Schlonz und Glibber lagen Nase an Nase im Wettrennen. Wabbel hatte durch seinen Blick zurück einige Zentimeter verloren und versuchte nun aufzuholen.
Schlonz stolperte über einen herausstehenden Nagel und teilte sich in der Mitte in Schlotz und Schlunz. Glibber hatte nunmehr die Führung übernommen und war am Fensterrahmen angekommen. Hier wurde es nun noch gefährlicher durch die überhängende Stelle und den schlechteren Halt auf dem lackierten Holz.
Sabber lag noch immer reglos am Boden …
Keiner getraute sich, hinunterzuschaün. Der Anblick war grausam.
Nun erreichten auch Wabbel, Schlotz und Schlunz die Fensterscheibe und rutschten mit rasendem Tempo dem Fensterbrett entgegen …
Wabbel hielt sich die Augen zu … „AAAAAAaaaaa…“

– Flotsch –

– Tropf –

Als Wabbel die Augen öffnete, sah er, daß er das Fensterbrett überwunden hatte. Glibber und Schlotz waren immer noch vor ihm, doch Schlunz hatte scheinbar den Sprung nicht geschafft …
Wabbel versuchte aufzuholen und erreichte Schlotz. Schlotz schwenkte erschreckt zur Seite und traf dabei auf die Steckdose …

– Zisch –

Es roch nach verschmorten Leitungen, als Wabbel weiter nach unten sauste …
Nun waren nur noch er und Glibber im Rennen.
Langsam kamen sie dem Boden näher und konnten nun schon das Muster im Teppich erkennen.
Wabbel hatte schon die Hälfte seines Gewichtes eingebüßt. Glibber war auch schon ziemlich geschrumpft, doch noch um einiges größer als der jüngere Wabbel.
Noch zehn Zentimeter trennte Wabbel vor seiner Niederlage, die er schon vor Augen sah. Doch in diesem Moment spürte Wabbel unter sich Metall.

– Sweeze –

Wabbel landete auf dem flauschig weichen Teppich und konnte einen Freudenschrei nicht unterdrücken. Glibber erreichte den Teppich kurze Zeit später und brummelte, da Wabbel ihn durch das Metallbrett überholt hatte. Langsam sog der Teppich die beiden auf und Wabbel wurde es Angst und Bange. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Langsam versickerte er in den Woll- fasern und es blieb nur ein grünlicher Fleck im Teppich von ihm zurück.

Marc Jantiff Hermann, 27.01.1994, Spontangeschichte, die im Laufe ihrer Niederschrift aus einem kranken Gehirn entsprang.