Die Geschichte vom Wabbel

Langsam glitt Glibber an der Wand hinab. „Jetzt ist es soweit…“ dachte er. Stein für Stein, Zentimeter für Zentimeter tastete er sich voran, um langsam seinem Ziel naeherzukommen. Jede Ritze wurde ausgenutzt, jeder Spalt berührt.
Sabber seufzte. „NEIN! Nicht schon wieder!“

– Ploff –

Am Boden lag Sabber, in seine Einzelteile zersplotzt. Glibber glitt weiter hinab.
Wabbel sah sich noch einmal um nach seinem ehemaligen Zuhause. Eigentlich hatte er es doch immer gut gehabt. Warum hatte er sein trautes Heim verlassen und sich auf eine solch waghalsige Tour ein- gelassen? Nun war es zu spät. Es gab kein zurück mehr … Unter ihm lag Sabber und er war nicht mehr wiederzuerkennen. Schlonz und Glibber lagen Nase an Nase im Wettrennen. Wabbel hatte durch seinen Blick zurück einige Zentimeter verloren und versuchte nun aufzuholen.
Schlonz stolperte über einen herausstehenden Nagel und teilte sich in der Mitte in Schlotz und Schlunz. Glibber hatte nunmehr die Führung übernommen und war am Fensterrahmen angekommen. Hier wurde es nun noch gefährlicher durch die überhängende Stelle und den schlechteren Halt auf dem lackierten Holz.
Sabber lag noch immer reglos am Boden …
Keiner getraute sich, hinunterzuschaün. Der Anblick war grausam.
Nun erreichten auch Wabbel, Schlotz und Schlunz die Fensterscheibe und rutschten mit rasendem Tempo dem Fensterbrett entgegen …
Wabbel hielt sich die Augen zu … „AAAAAAaaaaa…“

– Flotsch –

– Tropf –

Als Wabbel die Augen öffnete, sah er, daß er das Fensterbrett überwunden hatte. Glibber und Schlotz waren immer noch vor ihm, doch Schlunz hatte scheinbar den Sprung nicht geschafft …
Wabbel versuchte aufzuholen und erreichte Schlotz. Schlotz schwenkte erschreckt zur Seite und traf dabei auf die Steckdose …

– Zisch –

Es roch nach verschmorten Leitungen, als Wabbel weiter nach unten sauste …
Nun waren nur noch er und Glibber im Rennen.
Langsam kamen sie dem Boden näher und konnten nun schon das Muster im Teppich erkennen.
Wabbel hatte schon die Hälfte seines Gewichtes eingebüßt. Glibber war auch schon ziemlich geschrumpft, doch noch um einiges größer als der jüngere Wabbel.
Noch zehn Zentimeter trennte Wabbel vor seiner Niederlage, die er schon vor Augen sah. Doch in diesem Moment spürte Wabbel unter sich Metall.

– Sweeze –

Wabbel landete auf dem flauschig weichen Teppich und konnte einen Freudenschrei nicht unterdrücken. Glibber erreichte den Teppich kurze Zeit später und brummelte, da Wabbel ihn durch das Metallbrett überholt hatte. Langsam sog der Teppich die beiden auf und Wabbel wurde es Angst und Bange. So hatte er sich das nicht vorgestellt. Langsam versickerte er in den Woll- fasern und es blieb nur ein grünlicher Fleck im Teppich von ihm zurück.

Marc Jantiff Hermann, 27.01.1994, Spontangeschichte, die im Laufe ihrer Niederschrift aus einem kranken Gehirn entsprang.

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